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Internationale Bauausstellung (IBA) 2027 StadtRegion Stuttgart

Foto: JOTT architecture & urbanism GbR

Für eine klimaresiliente, lebenswerte Zukunft!

Die IBA2027 StadtRegion Stuttgart – 100 Jahre nach dem Bau der Weissenhofsiedlung - ist keine Bauausstellung wie es sie zahlreich in vielen Städten schon gab. Zum einen bezieht sie sich nicht nur auf eine Stadt, sondern erstmalig auf die gesamte Region -  Landeshauptstadt und Region Stuttgart. Europäisch gedacht macht es auch Sinn in räumlich größeren Dimensionen zu denken, planen und bauen. Nicht zufällig gibt es aktuell die EU-Initiative „Neues Europäisches Bauhaus“ als Förderprogramm im Rahmen der europäischen Klimaschutzziele. Hierzu wird gerade ein gemeinsamer Antrag der IBA mit der Architektenkammer Baden-Württemberg und der Universität Stuttgart vorbereitet. Zum anderen ist die IBA2027 keine reine Architekturschau – es geht nicht allein um das Bauen. Bereits im breit angelegten Plattformprozess von 2016 unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger über zahlreiche Fachexpert:innen hinaus wurde die IBA als Leitziel beauftragt, ganz neue Antworten zu finden zur Sicherung einer lebenswerten Zukunft für die nachkommende Generation. Dabei geht es um existenzielle ökologische Ziele, die wir Grünen politisch schon lange auf der Agenda haben, die aber erst jetzt aufgrund der zunehmend bedrohlichen Ereignisse in Folge des fortschreitenden Klimawandels gesamtgesellschaftlich und politisch Gehör finden. 

Nachdem es bei der IBA Weissenhof 1927 noch dem damaligen Zeitgeist entsprechend um die Trennung von Arbeit und Wohnen ging, hat sich die IBA2027 aufgrund des dringend erforderlichen Klimaschutzes zum Ziel gesetzt, diese funktionale Trennung wieder aufzuheben. So werden in derzeitigen IBA-Projekten modellhaft raumsparende Quartiere unter dem Begriff: „Produktive Stadt“ oder „Urbanes Dorf“ geplant, die Arbeiten, Wohnen und Freizeit wieder zusammenbringen. Mit bezahlbarem Wohnraum in diversem gesellschaftlichen Miteinander und Unternehmen einer nachhaltig wertschöpfenden Produktion an einem Ort, entfallen nicht nur klimaschädliche Wege, es werden  durch dichteres Bauen auch wertvolle Flächen gespart. Die Bauwirtschaft ist generell der größte Klimakiller und verursacht mehr CO²-Emissionen als der gesamte Flugverkehr weltweit!  Deshalb ist es zielführend, dass mit den IBA`27-Festivals 2023 und 2025 bereits Projekte der Transformation, neuer Technologien und Formen des Bauens sichtbar gemacht werden sollen – eine Leistungsschau für experimentelle Architektur und Leichtbau. Zudem soll dies zur Initialzündung eines regionalen Baustoffkreislaufs werden. Das Konzept sieht vor, Materialien aus dem Rückbau der IBA-Baustellen zwischenzulagern, bevor sie an anderen Projektorten neue Verwendung finden. Ein solches Baustofflager im Sinne einer „gläsernen Baustofffabrik“ wird vom IBA-Team in Kooperation mit Expert:innen derzeit mit Hochdruck geplant. Darüber hinaus könnten Know-how und Innovationen zu neuen Bautechnologien und Materialien aus regionalen Start-ups, Forschungsinstituten und Unternehmen in den Prozess der IBA`27-Projekte einfließen und ihnen zukunftsfähige Marktchancen im Bausektor eröffnen. All dies macht die IBA`27 zu einem wesentlichen Instrument, um die Transformation unserer Region zu fördern und ihre Wirtschaftskraft nachhaltig zu erhalten.

Während andere IBA`s oftmals langwierig auf der Suche nach Projekteinreichungen waren, wurde die IBA`27 von Anfang an mit hoher Resonanz und 150 Projekteinreichungen aus allen Ecken der Region Stuttgart geradezu überrollt. Dieser großartige Erfolg ist vor allem auf das hervorragende Engagement bei hoher Kompetenz des IBA-Intendanten, Andreas Hofer, und seines IBA-Teams zurückzuführen! Die Fülle der Einreichungen, aber auch der umfassende Qualifizierungsprozess der Projekte hat sich als ressourcenintensiver und aufwändiger erwiesen, als anfänglich abzusehen war. Die letzten zwei Jahre Projektarbeit haben gezeigt, dass gerade wegen der Dringlichkeit der Klimakrise etablierte Planungs- und Bauprozesse grundlegend in Frage gestellt werden müssen. Mit dieser Transformation im laufenden Geschäft sind die Kommunen jedoch meist überfordert. Es braucht die zeitaufwendige Unterstützung und den Blick von außen durch die IBA. 

Von daher ist die IBA`27 mittlerweile in finanzielle Not geraten. Die nun eingetretene Unterfinanzierung ist jedoch als „Geburtsfehler“ bei der Gründung der IBA-GmbH verursacht worden. So wurde von politischer Seite nur eine Basisausstattung geplant; man ging davon aus, dass alle weiteren finanziellen Mittel über potenzielle Sponsoren eingebracht werden können. Dabei wurde nicht bedacht, dass unsere Wirtschaftsregion bereits durch die anstehende Transformation und den Strukturwandel vor großen Herausforderungen steht – hinzu kam aktuell noch die Corona-Pandemie. Beides bringt Unternehmen in existenzielle Bedrohungen, die generell eine deutliche Zurückhaltung beim Sponsoring auslösen. Obwohl die IBA`27 GmbH gut gewirtschaftet hat, sind ihre Reserven aufgebraucht und sie steht vor einer Weichenstellung. Um die Arbeit in der bisherigen Intensität und Qualität fortführen zu können, braucht es eine rasche Aufstockung der Grundausstattung.

Auf Initiative von uns Grünen wird aktuell ein interfraktioneller Antrag auf den Weg gebracht, der diesem Bedarf der IBA nachkommt und bei den anderen Fraktionen viel Zustimmung erfährt. Politisch ist erfreulicherweise das Anliegen aller, den Erfolg der IBA`27 finanziell zu sichern, um 2027 Modellprojekte von internationaler Relevanz präsentieren zu können. Nicht zuletzt sind Investitionen in die IBA`27 auch Investitionen in die Zukunft der Region Stuttgart, um hohe Folgekosten durch die Auswirkungen der Klimakrise mindern zu können.

 

Beitrag von Irmela Neipp-Gereke