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Gewerbegebiete neu denken - Freiraumschutz durch Nachverdichtung im Bestand

Es gibt viele Möglichkeiten, das Bestehende besser auszunutzen. Auch wenn die "Arbeit im Bestand" aufwendiger ist, als einfach auf die grüne Wiese zu gehen oder Brachflächen zu bebauen.

In der Regel beschäftigen wir uns in der Regionalversammlung mit der Neuausweisung von Gewerbegebieten im Rahmen der Genehmigung von Flächennutzungsplänen. Große mediale Aufmerksamkeit fand ein von der Region befürworteter Vorhaltestandort für Industrie, der Hungerberg in Dettingen, der inzwischen durch einen Bürgerentscheid zu Fall gebracht wurde.

Doch mit Blick auf die anhaltend große Nachfrage an Gewerbeflächen in der Region lohnt sich daneben der Blick auf den Bestand.
Rund 600.000 Hektar an Gewerbe- und Industrieflächen stehen in Deutschland bereits auf der grünen Wiese - sie machen rund 18,5% der gesamten Siedlungsfläche aus (Quelle: Statistisches Bundesamt).
Heruntergebrochen auf die Region Stuttgart liegt dieser Anteil mit 21,7% noch höher (Quelle: Statistik BW). Über 12.200 Hektar oder umgerechnet über 17.000 Fußballfelder (!) sind bereits durch Gewerbe- und Industriegebiete belegt.

Auch wenn der Flächendruck in der Region hoch ist - ein Blick auf die bestehenden Gewerbegebiete zeigt, wie gering im Gegensatz dazu die Flächeneffizienz im Bestand oftmals ist. Eingeschossige Bauten dominieren das Bild. Besonders extrem zeigt sich dies bei Logistikbetrieben. Dazu kommen in der Regel großflächige, ebenerdige und vollversiegelte Parkplätze.

Mit Blick auf knapp werdende Flächenpotenziale in der Region fordert die steigende Bedeutung von Landschaftsräumen für den Klima-, Hochwasser- und Artenschutz, aber auch die zunehmende Kritik vieler Bürgerinnen und Bürger an der großflächigen Versiegelung landwirtschaftlich genutzter Freiflächen zu einem Umdenken auf.

Diese Position wird übrigens nicht nur von Umweltverbänden oder uns Grünen vorgebracht. Unter anderem fordert die Architektenkammer Baden-Württemberg ein Ende eingeschossiger Gewerbebauten.

Aber lassen sich z. B. Logistikhallen überhaupt stapeln? Ja, das geht. In Hamburg wird aktuell eine "gestapelte" Logistikimmobilie realisiert.
Auch Gewerbegebiete in unserer Region bieten Möglichkeiten zur Nachverdichtung, wie die Studie "Urban Sandwich" der Landeshauptstadt Stuttgart zeigt. Werkstatthallen, wie beispielsweise in Korb bei der Firma "Fenster Mack" geschehen, lassen sich aufstocken. Ebenerdige Parkplätze können überbaut werden. Die Realisierung von Quartiersgaragen bietet die Chance, Stellplätze zu stapeln und damit neue Flächenpotenziale für gewerbliche Nutzungen zu erschließen. Es gibt viele Möglichkeiten das Bestehende besser auszunutzen - auch wenn die "Arbeit im Bestand" aufwendiger ist, als einfach auf die grüne Wiese zu gehen oder Brachflächen zu bebauen.

Gerade deshalb ist es notwendig, dass die Region Kommunen bei dieser Aufgabe unterstützt. Im Rahmen der Haushaltsplanberatungen fordern wir daher, das bestehende regionale "Kofinanzierungsprogramm zur Sicherung und Aktivierung regionalbedeutsamer Gewerbeflächen" auf den Bestand auszuweiten. Weiterhin werben wir Grünen dafür, Gewerbegebiete neu zu denken.

 

Beitrag von Ulrich Dilger