FRAKTION IM VERBAND REGION STUTTGART

Porträts und Kontaktdaten

Irmela Neipp-Gereke

Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft,
Infrastruktur und Verwaltung

Mitglied im Aufsichtsrat IBA2027
StadtRegion Stuttgart

Stellvertretende Fraktionsvorsitzende

Heilpädagogin

Birkendörfle 16 
70191 Stuttgart

fon: 0711 251104
fon: 0711 241383 (dienstlich)
irmela.neipp-gereke@region-stuttgart.org

                                                                                                                                                                                  

Zur Person

1958 in Waiblingen geboren und auch im Kreis Rems-Murr in Hegnach aufgewachsen. Zunächst Ausbildung zur Erzieherin (FSP-Ludwigsburg) und später berufsbegleitendes Studium zur staatlich anerkannten Heilpädagogin (FH).

Seit über 30 Jahren wohne ich im Stuttgarter Norden und freue mich über die wenigen noch unverbauten grünen Flecken in den Hanglagen, die es zu bewahren gilt – nicht zuletzt aus klimatologischen Gründen für die Frischluftzufuhr der Stuttgarter Innenstadt. Das Auto habe ich abgeschafft, fahre nahezu täglich mit dem Fahrrad, nutze den ÖPNV oder gehe zu Fuß.

Im Sommer 2018 kam unser erstes Enkelkind zur Welt - ein wunderbar beeindruckendes Ereignis in diesem Jahr! Da ich mir mit meinem Mann die Erziehungsarbeit stets geteilt habe, war ich immer auch berufstätig. Beim Jugendamt Stuttgart, Abteilung Erziehungshilfen, bin ich als Heilpädagogin therapeutisch-pädagogisch, beratend und leitend tätig in der Arbeit mit verhaltensoriginellen und entwicklungsauffälligen Kindern und deren Familien.

Bei der Gründungsfeier „Raupe“ der GRÜNEN 1980 in Sindelfingen war ich begeistert mit dabei. Seit 1981 bin ich aktives Mitglied der Grünen Stuttgart – viele Jahre als OV-Sprecherin, 16 Jahre als Bezirksbeirätin und Fraktionssprecherin im Bezirksbeirat Stuttgart-Nord, über 10 Jahre als Mitglied im Kreisvorstand Stuttgart und 6 Jahre als Kreisvorsitzende. 2009 wurde ich erstmals in das Regionalparlament gewählt.

Eine starke Wirtschaft für die Region braucht zukunftsfähige, umweltverträgliche Technologien, Ressourcen schonende Produkte und eine umweltschonende Mobilität, die nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Lebensqualität sichern. Für eine Mobilität der Zukunft muss sich die Automobilbranche tiefgreifend verändern und es ist mehr wie bedauerlich, dass unser starker, hoch technologisierter, von der Autoproduktion geprägter Wirtschaftsstandort die Elektromobilität bisher verschlafen hat und damit zukunftsfähige Arbeitsplätze gefährdet. Vor allem gilt es weitere Fahrgäste für den ÖPNV zu gewinnen und da ist aktuell mit der neuen Tarifzonenreform ein Meilenstein im VVS gelungen, den wir GRÜNEN bereits seit vielen Jahren gefordert haben! Damit konnte das verwirrend große Netz von 52 Zonen auf nur 5 Zonen reduziert werden und in der Stuttgarter Innenstadt haben wir statt zwei Zonen nur noch eine, was insgesamt zu einer erheblichen Kosteneinsparung für die ÖPNV-NutzerInnen führt. 

Die Menschen leben, arbeiten und bewegen sich in der Region, deshalb sehe ich unter dem Aspekt „Soziale Region“ noch viel Handlungsbedarf: Zuständigkeiten dürfen nicht an der Stadt- oder Kreisgrenze enden. Das sehe ich explizit auch im Zusammenhang mit dem sozialen und geförderten Wohnungsbau – für die Behebung des massiven Mangels an bezahlbarem Wohnraum müssen sich alle Kommunen in der Region gleichermaßen zuständig fühlen.

Stuttgart 21 ist kein ökologisches und schon gar kein grünes Projekt! Vor allem ist es kein Projekt des regionalen Nahverkehrs wie das tägliche S-Bahn-Chaos seit Baubeginn deutlich macht. Der fehlende integrale Taktfahrplan und weitere Mängel hinsichtlich der Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs wurden bei der Faktenschlichtung nachgewiesen. Viele Jahre habe ich mich vehement gegen dieses unsinnige Milliardenprojekt und für einen ertüchtigten Kopfbahnhof 21 eingesetzt – auch als Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21.

Jedoch hat am 27. November 2011 eine landesweite Volksabstimmung über das Projekt Stuttgart 21 stattgefunden, die von den Projektgegnern eindeutig verloren wurde. Die Werbemaschinerie der Befürworter hatte Wirkung gezeigt – nicht zuletzt auch die aus Steuergeldern finanzierte, im Verband Region Stuttgart mehrheitlich beschlossenen 1 Mio. EUR zur Werbung für das Projekt in der Region.

Grundsätzlich halte ich Volksabstimmungen für einen guten Weg zur Entscheidung in der Sache. Aber in diesem Fall kam sie einfach zu spät und es gab von den Mitteln her für Gegner und Befürworter des Projekts keine Auseinandersetzung auf Augenhöhe. Nicht zufällig brachte die Bahn dreister Weise erst nach der Volksabstimmung die weitere Kostenexplosion von 6,5 Mrd. EUR an das Licht der Öffentlichkeit und mittlerweile stehen schon 8,5 Mrd. EUR im Raum! Auch wenn ich persönlich diese Volksabstimmung deshalb noch nie für eine demokratisch faire und schon gar nicht eine für die Demokratie Gewinn bringende Veranstaltung gehalten habe, akzeptiere ich als überzeugte Demokratin das Ergebnis.

Jetzt liegt es an den GRÜNEN, den Fortgang des Projekts kritisch zu begleiten. Die sich bereits abzeichnenden weiteren Kostenexplosionen dürfen von Stadt, Land und Region keinesfalls übernommen werden – da müssen alle politischen Ebenen Wort halten und zu ihren Ansagen vor der Volksabstimmung stehen!

Der inzwischen gefundene Kompromiss aus dem Filderdialog zwischen Bahn, Land, Stadt und Region mit dem sogenannten „dritten Gleis“ ist akzeptabel und besser als die von der Bahn ursprünglich geplante Variante. Immerhin kann damit eine weitere Gefährdung der eh schon massiv in Verzug geratene Pünktlichkeit der S-Bahn verhindert werden. Vor allem aber wird es nun einen Regional-Haltebahnhof in Vaihingen geben, den wir S21- GegnerInnen und K21-BefürworterInnen schon lange gefordert haben. Der Regionalbahnhof in Vaihingen wird den ÖPNV stärken und damit die gesamte Mobilität in der Region Stuttgart deutlich verbessern.

Die Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart – genau 100 Jahre nach der Eröffnung der Weißenhofsiedlung 1927 – ist eine große Chance mit experimentellen, visionären und radikal neuen Modellen Antworten zu finden für die städtebaulichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Bemerkenswert und erfreulich ist, dass bereits der Auftakt der IBA Plattform in einem partizipatorischen Prozess mit vielen Akteuren aus Stadt und Region gelungen war, um die Themenschwerpunkte und Leitziele für die IBA 2027 StadtRegion Stuttgart zu finden. Ebenso wichtig wird es sein, dass der gesamte IBA-Prozess die Menschen bewegt, begeistert und über die Fachöffentlichkeit hinaus neue Mitwirkungs- und Beteiligungsformen gefunden werden, um die Bürgerinnen und Bürger aktiv zu beteiligen und die Kreativität bürgerlichen Engagements mit einfließen zu lassen. 

Aus meiner Sicht muss es bei den erarbeiteten Themenstellungen vor allem darum gehen:

* Nachhaltige Mobilität neu denken und Rückgewinnung des öffentlichen Raums
* Wohnen, Arbeiten und Freizeit im sozial und kulturell gemischten Quartier
* Ressourceneffizientes, recyclinggerechtes Bauen mit energieerzeugenden Gebäuden um den Folgen des Klimawandels zu begegnen.

Nicht zuletzt liegen mir Vielfalt und Zusammenhalt in der Region Stuttgart sehr am Herzen – auch wenn gerade hier Menschen aus 180 Nationen bisher meist friedvoll und in gegenseitigem Respekt miteinander leben, muss das nicht so bleiben. Chemnitz ist eine Warnung für die gesamte Gesellschaft. Wenn Wohnraum oder Arbeitsplätze knapp werden oder sonst was in soziale Schieflage gerät, kann sich das schnell ändern. Deshalb ist es ein wichtiges IBA-Ziel, Vielfalt zu stärken und sichtbar zu machen durch interkulturelle Begegnungsmöglichkeiten.

Zum Nachlesen:

Mein Beitrag zum Evangelischen Kirchentag 2015 in Stuttgart am Abend der Begegnung - Stand des Verbandes