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Wir beleuchten: Die Planungen zur Gäubahn

Die Anbindung der Gäubahn aus Singen und Zürich an den Stuttgart-21-Tiefbahnhof ist eine unendliche Geschichte. Seit 2002 versucht die Deutsche Bahn AG hier eine Planung. Seit gut fünf Jahren läuft das Planfeststellungsverfahren zur Führung über die S-Bahn-Gleise in Leinfelden-Echterdingen und die S-Bahn-Station Flughafen (mit dem sogenannten Dritten Gleis, das dabei neu zu bauen wäre).

Seit zwei Jahren gibt es zudem die Diskussion um eine ganz andere Lösung: einen neu zu bauenden Tunnel zwischen Böblingen und Flughafen, den „Pfaffensteigtunnel“. Während mit dem Pfaffensteigtunnel ein durch Stuttgart 21 selbst verursachtes Problem gelöst wird, nämlich die Führung der Gäubahn auf der S-Bahn, steht dessen Realisierung noch in weiter Ferne.

Zwar versprechen S21-Befürworter:innen in Region, Land und Bund, dass der Tunnel vordringlich geplant und umgesetzt wird, aber auch da vergehen bei großen Schienenprojekten mehr als 10 Jahre. Für die Planungen werden wohl drei Jahre fällig, für die Planfeststellung durch das Eisenbahnbundesamt wenigstens so viel. Bauzeit laut DB: sechs bis sieben Jahre. Wird also 2022 mit der Planung begonnen, wird es 2035 bis der erste Zug durch den Tunnel fährt – wenn alles glatt läuft und es zu keinen Verzögerungen kommt. Das Problem hierbei: Laut Planungen zur Inbetriebnahme des Stuttgart-21-Tiefbahnhofs soll die bisherige Strecke der Gäubahn zum alten Kopfbahnhof, die Panoramabahn im Stuttgarter Norden, im Sommer 2025 gekappt werden. Dies sei notwendig, so DB, weil in einem Teil der Gäubahngleise die S-Bahn über die neue Haltestelle „Mittnachtstraße" an die Stammstrecke angehängt werden muss.

Die Abhängung der Gäubahn war immer Teil der S21-Planungen, ursprünglich dachte man aber, dass es sich um vier bis sechs Monate handelt – weil sich niemand vorstellen konnte, dass der Tiefbahnhof und der Flughafenbereich nicht gemeinsam fertig gestellt werden. Das ist jetzt aber erkennbar der Fall. Auch wenn die bisherigen Planungen umgesetzt würden, wäre die Gäubahn kaum vor 2032 wieder an den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof angeschlossen. Sehenden Auges laufen also Planungen, die eine gut 10-jährige Unterbrechung der Gäubahn zur Folge haben. Diese endet dann in Stuttgart-Vaihingen, ggf. wird in der Nähe des Nordbahnhofs ein provisorischer „Nordhalt“ gebaut, an dem sie ebenfalls endhalten könnte. Für diesen Nordhalt sind Planungen aber erst in Auftrag gegeben worden, er wird wohl auch erst einige Zeit nach Eröffnungen des neuen Hauptbahnhofs in Betrieb gehen können. Ursprünglich wollte die DB in Böblingen endhalten und die Fahrgäste aus Zürich und dem Süden des Landes auf die S-Bahn verteilen. Ohne den Einsatz des grün-geführten Landesverkehrsministeriums wäre Stuttgart-Vaihingen nie zu einem Regionalbahnhof ausgebaut worden, mit einen neuen Regionalzug- und IC-tauglichen Bahnsteig.

Die langfristige Unterbrechung einer bedeutsamen Regionalverkehrsstrecke und internationalen Fernverkehrsverbindung der Wirtschaftsmetropolen Zürich und Stuttgart kann jetzt aber niemanden ruhig schlafen lassen. Verkehrspolitisch ist das Irrsinn und unverantwortlich, zumal gleichzeitig die Panoramabahn mit aufgegeben würde – und damit eine wichtige Bestandsinfrastruktur, welche für Ausweichverkehre der S-Bahn, aber auch für ganz neue Linien aus dem Norden in Richtung Süden genutzt werden könnte. Vor allem erscheint es aber noch irrsinniger, weil auf dem Stuttgart-21-Gelände, das ja mit Wohnungen bebaut werden soll, erstmal gar nicht gebaut werden kann. Im Jahr 2021 konnten wir in der Presse lesen, dass aufgrund der Gefahrenstoffbeseitigung und des Artenschutzes (die berühmten Eidechsen, die aufwändig im Stadtgebiet umgesiedelt werden müssen) mit einer Bebauung erst nach 2030 zu rechnen ist und dann auch nur abschnittsweise.

Gleichzeitig gibt es seit einigen Tagen nun ein neues Rechtsgutachten zu den Gleisflächen selbst, das von den Umweltverbänden in Auftrag gegeben wurde. Dieses kommt zum Schluss, dass aufgrund der langjährigen Unterbrechungszeit der Gäubahn, die Gleise des alten Kopfbahnhofs „stilllegungsbedürftig“ werden. D.h. es braucht ein formales Verfahren, welches die DB anstrengen muss, um die Gleise außer Betrieb zu nehmen. Erst danach kann ein Entwidmungsverfahren begonnen werden, an dessen Ende dann ein Beschluss des Eisenbahnbundesamtes stehen kann, die Gleise in der Tat abreißen zu können. Auch hier dürften mehrere Jahre ins Land gehen, bis es so weit ist.

Alles in allem haben wir nun also die Situation, dass (a) die Gäubahn auf Teufel komm raus für wenigstens ein Jahrzehnt unterbrochen werden soll, während (b) auf den weiterhin vorhandenen Gleisflächen auf Jahre hinaus nicht gebaut werden kann. Als Grünen-Regionalfraktion haben wir uns dazu eindeutig positioniert: Die Gäubahn darf nicht gekappt werden, sie muss weiter in den Kopfbahnhof fahren, der dafür mit einem oder zwei Bahnsteigen weiterbetrieben werden muss, auch nach Eröffnung des neuen Stuttgart-21-Tiefbahnhofs – möglichst so lange, bis der Pfaffensteigtunnel oder irgendeine andere Anbindung an den Tiefbahnhof realisiert ist.